SOLANGE ist ein internationales partizipatives Kunstprojekt der österreichischen Künstlerin Katharina Cibulka. Mit ihrem Team stickt sie Sätze, die gender-basierte Missstände thematisieren, auf Gerüstnetze an Baustellen. Gemeinsam haben wir 2025 in NRW ihr 33. SOLANGE-Netz realisieren.
Am 25. Juni 2025 um 14:00 Uhr wurde „unser“ SOLANGE Netz enthüllt. Es war ein toller und vor allem gemeinschaftlicher Moment. Unser Dank gilt Katharina Cibulka und ihrem Team, den Gerüstbauern, dem Evangelischen Kirchenkreis der Johanneskirche, dem Justizministerium, die uns für den Livestream und Fotos in ihr Gebäude ließen sowie den Menschen, die vor Ort diesen Moment mit uns erlebt haben.
Das SOLANGE-Team kreierte in Zusammenarbeit mit uns einen Satz, der sprachliche Elemente aus der Architektur und Stadtplanung enthält, vielschichtige Interpretationen zulässt und dem spezifischen Installationsort – der Evangelischen Johanneskirche – gerecht wird.
Wir wollen eine andere Welt. Eine Welt, in der wir Perspektiven zeichnen, die Lebensträume ermöglichen; die Lebensräume für ein Miteinander schaffen, statt ab- und auszugrenzen.
Katharina Cibulka, Künstlerin
Mit dem Fokus auf Machtpolitik hat die Debatte um Chancengleichheit eine neue Dimension erreicht. Es geht nicht mehr um ein Nice-to-have, sondern um nichts Weniger als unsere Lebensräume.
Karin Hartmann, Vorsitzende der Architektinnen Initiative NW
Mit dem Abbau des Gerüsts Ende Dezember 2025 wurde auch das Netz entfernt und befindet sich nun im Archiv der Künstlerin.
Das Projekt ist ein Highlight in der Geschichte der Architektinnen Initiative NW – besonders in Zeiten, in denen Rechte von Frauen und anderen marginalisierten Gruppen wieder stärker bedroht sind.
„SOLANGE ist ein interaktives und auf Dialog ausgerichtetes Kunstprojekt, das sensibilisieren und auf noch bestehende gesellschaftliche Missstände aufmerksam machen will.
Unser Werkzeug ist ein ca. zwei- bis vierhundert Quadratmeter großes Kunstwerk – ein handbesticktes Staubschutznetz auf Baustellen. […] Ein Satz, der mit „Solange“ beginnt und mit „bin ich Feminist:in“ endet, wird mit pinkem Tüll im Kreuzstich großformatig auf Staubschutznetze gestickt und an Baugerüste montiert. Das Spannungsfeld entsteht aus der Dynamik zwischen traditionell weiblich konnotiertem Handwerk und Männer-dominierter Baustelle.
[…] SOLANGE steht für eine tolerante, weltoffene und faire Gesellschaft, in der sich alle Geschlechter auf Augenhöhe treffen und Gleichberechtigung selbstverständlich ist. Wir verstehen Feminismus nicht als ‚Frauensache‘ sondern als gesellschaftlich immanent wichtiges Thema, das alle angeht. Von Gleichberechtigung und einem Aufbrechen starrer Rollenklischees profitieren letztlich alle. […] .“
Der Entstehung des Netzes ist ein intensiver partizipativer Prozess vorausgegangen, um den passenden Satz zu finden.
Mit einer großangelegten Postkartenaktion zum Frauentag 2025 haben wir in der Branche nach Vorschläge für das Statement gefragt.
Mit knapp 400 Einsendungen war die Resonanz groß. Aufgrund der Teilnahme vieler Architekt:innen drehten sich zahlreiche Sätze um architekturspezifische Anliegen. Diese haben jedoch auch in anderen Berufs- und Gesellschaftsbereichen Relevanz – eine Auswahl:
Das Absprechen von Kompetenz bzw. geschlechter-stereotype Zuschreibungen, Gender-Pay-Gap, Sexismus, mangelnde Karrierechancen durch Kinder, fehlende Unterstützung von Männern in Gleichstellungsanliegen, sprachliche Markierungen der Männer als Norm und der Frauen als Abweichung, kaum Diversität in Führungsetagen, die Abwesenheit von Frauen in der Architekturgeschichte, fehlende Lebensperspektiven von Frauen in der Planung.
Das SOLANGE-Team kreierte in Zusammenarbeit mit der AI NW einen Satz, der sprachliche Elemente aus der Architektur und Stadtplanung enthält, vielschichtige Interpretationen zulässt und dem spezifischen Installationsort – der Evangelischen Johanneskirche – gerecht wird.
Atmosphäre bommert . knoop . Architekten, Kathrine Aslaksen-Schürholz, Helga Daum-Göbel, Katja Domschky, Ulrike Haase-Mülleneisen, Karin Hartmann, Geske Houtrouw, Annette Landgraf, Kerstin Lüttgebauks, Hiltrud Lintel, Stephanie Schleffler, Christina Schlottbom, Katja Schotte, Anette Speiser, TOMAS Transformation of Material and Space, Jutta Vermeulen-Linden, Monika Weber
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