Ausstellung „Frau Architekt“ in NRW

Baukultur Nordrhein-Westfalen zeigt Ausstellung ab 12. August in Düsseldorf

Seit mehr als 100 Jahren sind Frauen im Architektenberuf tätig. Trotzdem sind Architektinnen nur selten wirklich sichtbar. Das möchte die Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf“ ändern. Baukultur Nordrhein-Westfalen präsentiert sie in Kooperation mit dem Deutschen Architekturmuseum (DAM) und der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen vom 12. August bis zum 2. Oktober 2020 im Haus der Architekten in Düsseldorf.

„Es braucht immer noch sehr viel Selbstvertrauen, um seinen Weg als Frau in der Architektur zu machen“, sagt die bekannte englische Architektin Alison Brooks. „Wir wachsen mit Helden und Göttern auf, die allesamt männlich sind.“ Genau an diesem Punkt setzt das Museum der Baukultur mit der Ausstellung „Frau Architekt. Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf” an: Sie präsentiert berufliche Werdegänge sowie vorbildliche Bauten von Architektinnen, zeigt damit Vorbilder, ermöglicht Identifikation und macht Mut, den Beruf zu ergreifen. Zu selten sind die Architektinnen hinter ihren Werken sichtbar.

Fußgängerbrücke im Mediapark, Köln, 1993/94. 
Verena Dietrich wagte als eine der ganz wenigen Frauen 1982 den Sprung in die Selbstständigkeit ohne Partner und ohne Auftrag. Aus einem Wettbewerb 1993/94 ging die Fußgängerbrücke im Medienpark in Köln hervor. Der Architekturhistoriker Wolfgang Voigt charakterisierte sie treffend als „Madame de Stahl“.
 Copyright: Harald Oppermann, Köln. 

Neuer aktueller Ausstellungsteil mit Positionen von Architektinnen aus NRW
Die Ausstellung in Düsseldorf besteht aus zwei Bereichen. Bereits 2017 konzipierte das DAM in Frankfurt die Ausstellung „Frau Architekt. Seit mehr als 100 Jahren Frauen in der Architektur“. Aus dieser umfangreichen Ausstellung präsentiert das Museum der Baukultur neun historische Architektinnen, deren Werdegänge und Tätigkeitsfelder charakteristisch sind für die Zeit vom späten Kaiserreich bis in die 1960er und -70er Jahre.

Ein zweiter, vom Museum der Baukultur neu kuratierter und gestalteter Ausstellungsteil beschäftigt sich mit der aktuellen Situation von Architektinnen aus NRW. 21 Architektinnen veranschaulichen an jeweils einem Projekt ihre Arbeit und ihre architektonische Haltung. Die Projekte stammen aus den Bereichen Hochbau, Stadtplanung, Landschafts- und Innenraumgestaltung sowie Bauforschung. Mittlerweile sind Frauen, anders noch als ihre Kolleginnen aus der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, in allen Bereichen und Typologien der Architektur tätig. 

„Wir konnten als Mitglied im Beirat bei der Konzeption des neuen Teils mitwirken. Seit unserer Gründung verfolgen wir das Ziel, die Leistung von Architektinnen sichtbar zu machen. Wir sind stolz, dass es uns in so einem tollen Rahmen gelungen ist.“ 

Katja Domschky, 1. Vorsitzende der ai nw
Das Porträt von Lea Grundig von 1969 zeigt eine der einflussreichsten Architektinnen der DDR, Iris Dullin-Grund, umgeben von ihren Hauptprojekten, dem Generalbebauungsplan für Neubrandenburg und dem Hochhaussturm des Hauses der Kultur und Bildung ebenfalls in Neubrandenburg. Iris Dullin-Grund war nicht nur ein Aushängeschild für die DDR, sondern auch im Westen sehr bekannt.
Copyright: Privatbesitz

Maßgebliche Beiträge zur Entwicklung der Architektur
Innovative Ideen trotz massiver Widerstände: So war die Lage vor mehr als hundert Jahren als Frauen erstmals an Technischen Hochschulen in Deutschland zunächst nur als Gasthörerinnen zugelassen und später zu diplomierten Architektinnen ausgebildet wurden. Die Architektinnen leisteten, wenn auch oftmals auf Wohnungsbau und Inneneinrichtung beschränkt, maßgebliche Beiträge zur Entwicklung der Architektur in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Nach dem Zweiten Weltkrieg drängten Frauen in alle Bereiche der Baukunst, ihre bis heute wichtigen Arbeiten bleiben aber allzu oft unsichtbar.

Heute stehen Architektinnen in ihrem beruflichen Alltag in der öffentlichen Wahrnehmung weiterhin im Schatten ihrer männlichen Kollegen. Obwohl die Mehrzahl der Hochschulabsolventen im Fachbereich Architektur Frauen sind, stellen sie nur 31 Prozent des aktiven Berufstands dar. Auch
erreichen heute mehr Architektinnen als früher leitende Positionen als Partnerinnen in Architekturbüros, Baudezernentinnen und Hochschullehrerinnen – an dem ungleichen Geschlechterverhältnis ändern solche Karrieren bislang wenig

Das „Haus der Architekten“ wird zum „Haus der Architektinnen“
Frau Architekt bildet den Rahmen für ein Begleitprogramm, dass die Stellung, die Sichtbarkeit sowie die Teilhabe von Frauen im Architekturberuf diskutiert. Während der Ausstellungszeit wandelt sich zudem das Haus der Architekten der AKNW in das Haus der Architektinnen.

Frau Architekt – Seit über 100 Jahren: Frauen im Architekturberuf
Ein Kooperationsprojekt des Museums der Baukultur Nordrhein-Westfalen, des Deutschen Architekturmuseums und der Architektenkammer Nordrhein-Westfalen
Laufzeit: 12. August – 2. Oktober 2020
Ausstellungsort: Haus der Architekten, Zollhof 1, 40221 Düsseldorf
Öffnungszeiten: Mo – Do: 10 – 17 Uhr; Fr: 10 – 13 Uhr, Eintritt frei

Führungen: Di.,15.9., und Mi., 23.9., jeweils 17.30 Uhr
Aufgrund der Corona-Pandemie kann an einer Führung nur eine begrenzte Zahl von Personen teilnehmen. Eine verbindliche Anmeldung mit Namen, Adresse und Telefonnummer ist dafür Voraussetzung unter: info@baukultur.nrw.